Erfahrungen eines Senioren, der noch einmal Sport treiben will.

erstes Training

erstes Training

An einem Mittwoch im Juni 2011 fiel der Startschuss zum ersten Training. Einen alten Trainingsanzug hatte ich noch und auch ein paar Laufschuhe, die jahrelang im Schrank gestanden hatten, also fast wie neu waren.

In unserem schönen Stadion mit sechs Kunststoffbahnen trafen wir uns abends ab 18:00h. Wir, das waren unser Betreuer Hans und ein weiterer Senior, der schon hoch in den 70ern war, der schon viele Jahre hintereinander das Sportabzeichen gemacht hat. Ich war gerade 60 geworden und fühlte mich natürlich in dieser Gesellschaft als Jungspund. Doch dass jünger sein keine Garantie für mehr Fitness ist, musste ich schnell erfahren. Besonders Hans war mir in Bezug auf Fitness und besonders Schnelligkeit bei weitem überlegen und ich muss neidlos anerkennen, dass ich an seine Leistungen niemals heranreichen werde.

Dazu muss man Hans aber auch erst einmal besonders vorstellen. Er wurde in diesem Jahr 70 Jahre alt. Mit 40 fing er an Leichtathletik zu betreiben. Ich sage, er ist ein Naturtalent! Während dieser Zeit wurde er mehrfacher Kreis-, Hessen- und Deutscher Meister über die Laufstrecken von 200 Meter, 400 Meter und in den Staffeln. Hinzu kamen Europa- und Weltmeistertitel jeweils in seiner Altersklasse. Ich denke, das sagt alles über dieser Athleten. Und ich bin froh und stolz, bei und mit ihm trainieren zu können.

Wie sieht nun eine Trainingseinheit aus? Als erstes, um uns „warm“ zu machen, laufen wir einige Runden um den Platz. Da fing das Dilemma schon an. Nach der ersten Runde hatte ich schon keine Puste mehr. So viel zu Fitness! Das konnte ja nur besser werden. Nach dem Einlaufen werden die (bei mir) schon strapazierten Muskeln gedehnt und gestreckt. Mit den Fingerspitzen komme ich nicht einmal auf den Fußboden, ohne die Knie zu beugen.

Es folgen einige Koordinationsläufe. Das hatte ich alles schon am Fernseher gesehen, vor allem bei den Fußballern (Hopserlauf, Anfersen, Kniehebelauf, Überkreuzlauf, Seitstep, Skippings und zum Schluss zwei bis drei Steigerungsläufe quer über den Platz). Es nun selbst durchzuführen, war etwas ganz anderes. Nach diesem Programm war ich erst einmal platt. Und ich merkte, wie unbeweglich ich war und wie steif alles bei mir aussah.2011-10-05 1787DSC_0901 - Kopie

Kleine Pause, etwas trinken, dann werden ein paar Läufe durchgeführt. Mal sehen, was die Schnelligkeit macht. Am besten reden wir nicht drüber. Aber nein, gerade deshalb schreibe ich ja meine Erfahrungen auf. Also keine falsche Scheu an den Tag legen. Ist ja auch keine Schande, wenn man 23 Jahre keinen Sport getrieben hat, also ziemlich eingerostet ist.

Mit 37 Jahren hatte ich zum letzten Mal das Sportabzeichen gemacht, davor mit 32, das war lange her! Damals hatte ich meine Kinder zum Sport begleitet und mich von deren Trainer animieren lassen, doch selbst auch einmal etwas zu tun. Doch leider war ich dann beruflich so stark eingespannt, dass ich keine Gelegenheit mehr fand, weiter zu machen. Vielleicht wäre ich dann auch ein „Großer“ wie Hans geworden.

Doch nun zu den Fakten: Mit 38 lief ich die 100 Meter noch in 13,0 Sekunden. Mit regelmäßigem Training wie heute wäre damals auch viel mehr möglich gewesen. Ich wollte nun wissen, was heute noch geht. Für das Sportabzeichen waren 19,0 Sekunden gefordert. Hans stoppte die Zeit; die Uhr blieb bei über 18 Sekunden stehen.

Das war nun nicht gerade das, was ich mir vorgestellt hatte. Für die Abnahme des Sportabzeichens hätte es zwar gereicht, aber ich wollte mehr. Der Ehrgeiz war geweckt.

Was regelmäßiges Training ausmacht, erkennt man daran, dass man sich in meinem Alter auch noch gewaltig steigern kann. Meine persönliche Bestzeit habe ich im Sommer 2014 mit 15,4 Sekunden aufgestellt. Das sind schon Welten, wenn man bedenkt, dass die Steigerungen ab einem gewissen Punkt nur noch im 10tel Sekundenbereich möglich sind. Ob ich es noch einmal unter die 15,0 Sekunden schaffe? Das wäre mein großes Ziel!

Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg. Zunächst einmal war ich vom ersten Trainingstag völlig geschafft, morgen würde es bestimmt einen gewaltigen Muskelkater geben. Aber ich war auch vollgepumpt mit Adrenalin und Glückshormonen. Jetzt erst mal nach Hause und ein heißes Bad nehmen.

Hier geht´s bald weiter …

Kommentare zu: "2. Das erste Training" (1)

  1. […] ihn und seine Erfolge habe ich ja schon ausführlich berichtet (siehe auch Bericht 2). Unser dritter Konkurrent war wiederum fast 10 Jahre jünger als ich. Aber im Ziel lagen wir drei […]

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