Erfahrungen eines Senioren, der noch einmal Sport treiben will.

Spaziergang im Schnee

Spaziergang im Schnee

Es war Winter, kurz vor Weihnachten. Meine Frau und ich machten einen Abendspaziergang. Dabei kamen wir durch eine unbeleuchtete Gasse. Ein hoher Bordstein brachte mich zu Fall. Ich konnte ihn nicht sehen, trat mit halben Fuß darauf und knickte um. Dann fiel ich der ganzen Länge nach hin und blieb erst einmal vor Schmerz liegen. Meine Frau hatte schon Befürchtungen, dass ich mir den Fuß gebrochen hätte.

Langsam erholte ich mich und konnte aufstehen, aber auftreten konnte ich nicht. Der Fuß schwoll an und wurde dick. Zu ihren Eltern war es nicht mehr weit. Dort ließ ich mir kalte Umschläge machen. Ich hatte Glück, der Fuß und der Knöchel waren nur verstaucht. Aber das Hallentraining war damit beendet. Und mein Traum, das erste Mal an den Hessischen Senioren Hallenmeisterschaften teilzunehmen, war im wahrsten Sinne des Wortes auf Eis gelegt.

Viele Wochen ohne Training, dafür mit Behandlung bei einem Physiotherapeuten waren die Folge. Den die Gelenke belastenden Hallenboden mied ich dann auch erst einmal. Schließlich konnte ich es kaum erwarten, dass es draußen wieder schöner wird und wir ins Stadion gehen konnten. Das Jahr 2012 bestand überwiegend aus Training, Verbesserung der Kondition und der Beweglichkeit.

Man lernt natürlich beim Sport viele neue Leute kennen. So hatte ich schließlich das Glück, einen Sportfreund kennen zu lernen, der zum einen mit uns trainierte und mir in Bezug auf Trainingsmethoden sehr viel beigebracht hat.

Stabi1Jetzt ging es nicht mehr in erster Linie ums Laufen, sondern Thomas legte sehr viel Wert auf Stabilität und Balance des gesamten Körpers. Es folgten Zirkeltraining und Übungswiederholungen. Das erste Mal hörte ich von Stabis. Wir machen heute Stabis. Aha, dachte ich, ok, ich mache mit.

Zwei Trainingsmatten auf den Platz hinter dem Wurfring (um die Läufer nicht zu stören) und dann ging es los. Liegestütz – Kniebeugen – Rückenlage und Hüfte anheben – auf der Seite liegend die Hüfte heben, sodass der Rumpf eine Linie bildet, dann wenn man kann, das obere Bein zusätzlich anheben (ging erst mal gar nicht) – und auf einem Rundbrett mit einem Fuß stehen und das andere Bein anheben, wieder zurück und das so lange, bis man die Balance verliert. Das war nur eine kleine Auswahl an Übungen, die wir jetzt regelmäßig durchführten.

2014-12-23 28818IMG_7744Außerdem waren Übungen mit dem Medizinball angesagt. Einer wirft dem auf dem Boden sitzenden zu und der andere wirft zurück, ohne die Füße auf dem Boden aufzusetzen (von vorne, von links und von rechts). Nach dem zwanzigsten Mal spürte ich schon meine Bauchmuskeln. Außerdem spürte ich so nach und nach so viele Muskelgruppen, die ich wohl noch nie in dem Maße in Anspruch genommen hatte.

Fielen mir die Übungen am Anfang noch sehr schwer, merkte ich im Laufe der Zeit, dass dies doch immer besser wurde. Und das motiviert! Das heißt, man kann in jedem Alter noch viel an Beweglichkeit zulegen, sämtliche Muskeln trainieren und ganz wichtig, die Stabilität des Körpers aufbauen. Hatte ich bei den ersten Malen noch ziemlichen Muskelkater, verbesserte sich auch das von Mal zu Mal.

Die nächste Trainingseinheit hieß Laufkoordination. Thomas machte mich immer wieder auf Fehler und Nachlässigkeiten in meinem Laufstil aufmerksam, für das ich ihm sehr dankbar war. Nur wenn man bereit ist Kritik anzunehmen, kann man sich verbessern. Man muss es aber wollen. Und ich wollte es unbedingt.

Über eine Distanz von 50 bis 60 Meter spulten wir unser Programm von ca. zwanzig verschiedenen Übungen ab. Beispielsweise waren dies: Kniehebelauf aus dem Gehen, Kniehebelauf kurz und lang, Scherenlauf, Prellsprünge, Fußgelenkarbeit, Überkreuzlauf links und rechts, Skippings und einige mehr.

Auch Treppenläufe (kurze schnelle Schritte bis nach oben, oder Sprünge mit beiden Füßen gleichzeitig) waren im Standardprogramm. Die Zuschauertribüne bot hierfür den geeigneten Platz. Zum Schluss wurden dann noch ein paar Steigerungsläufe durchgeführt, bevor wir dann vielleicht noch den einen oder anderen schnellen Lauf folgen ließen. Thomas kam es dabei aber sehr darauf an, dass ich mir zunächst einen „sauberen“ Laufstil aneignen sollte und dann erst Schnelligkeit trainieren.

Auch hierfür hatte er Programme. Einmal sagte ich ihm, dass ich bei einem Sportfest über 100 und 200 Meter laufen wolle und was er mir dafür als Training empfehlen würde. Das war vier Wochen vorher.

Er schrieb mir zurück: zunächst mal ordentlich Aufwärmen, ein paar Stabis und eine ordentliche Laufkoordination. Das wurde zum Standard vor jedem Training und jedem Wettkampf. Dann meinte er, bei drei Mal die Woche Training, dann ein Mal schnellere Läufe über 30 – 40 – 50 – 40 – und wieder 30 Meter. Eine andere Einheit sollten sein 120 – 150 – 200 – 150 und wieder 120 Meter. Ferner einmal 6 x 60 Meter mit jeweils 90 Sekunden Pause und das zwei Mal.

So war und ist Thomas, ein inzwischen guter Freund und Sportskollege. Er gibt immer selbstlos gute Tipps und Ratschläge. Außerdem ist er noch ein guter Physiotherapeut. Wenn es mal irgendwo zwickt, legt er auch schon mal selbst Hand an und versucht die Blockade wieder zu lösen.

Dafür von mir an dieser Stelle auch nochmal ein herzliches Dankeschön!

In meinem nächsten Beitrag werde ich über unser gemeinsames Seminar vom Hessischen Leichtathletikverband (HLV) berichten. Dabei ging es auch um Trainingsmöglichkeiten speziell für Senioren. Also, bleiben Sie dabei.

Kommentare zu: "9. Neue Trainingsmethoden" (2)

  1. Hi Robert, wenn mein Rücken wieder ok ist würde ich gerne mal mit Dir ein paar Stabis machen – geht halt nur am Wochenende aber ich glaube, dass ich dringend mehr Stabilität in meinem Körper brauche … LG 🙂

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  2. Das machen wir! Sag nur wann. Ich stelle schon mal ein paar Übungen zusammen 🙂
    Bis dann und liebe Grüße

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