Erfahrungen eines Senioren, der noch einmal Sport treiben will.

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Borken 2013

Wenn du denkst, jetzt geht es nur noch aufwärts, der Erfolg ist da und du wirst immer besser, dann kommt der Rückschlag mit voller Wucht.

Das nächste Highlight sollte Ende Juni 2013 in Borken stattfinden. Hans und ich wollten an den Hessischen Seniorenmeisterschaften teilnehmen. Doch einige Wochen vorher fingen bei mir die ersten Probleme an – Ischias! Ich hätte nie gedacht, dass mir der einmal Probleme bereiten könnte. Doch tatsächlich bremste er mich im wahrsten Sinne des Wortes richtig aus.

Steigerungsläufe waren kaum mehr möglich. Plötzlich waren die Schmerzen zu groß und ich wusste zunächst gar nicht, was mich da so belastete. Natürlich wusste Hans es ganz genau. Kam man mit einem Problem, Hans hatte es sicher auch schon erlebt! Doch was kann man dagegen tun?

Thomas war derjenige, der als früherer Physiotherapeut sich meine Beine vornahm, dehnte und streckte. Es wurde dann zwar kurzfristig besser, aber immer nur für kurze Zeit. Ich will hier keine Abhandlung über Ischias, seine Ursachen und Behandlungsmethoden verfassen, sondern mich ausschließlich auf die für mich unliebsamen Folgen konzentrieren.

Nur so viel möchte ich dazu sagen, dass bei Ischias die Schmerzen über das Gesäß auf der Rückseite des Oberschenkels bis zur Kniekehle ziehen. Und genau so war es auch bei mir. Man kann sich also vorstellen, dass dies eindeutig schnellere Läufe verhinderte. Ich ließ mich also professionell behandeln, denn mein Ziel waren die „Hessischen“ in Borken. Doch so schnell bekommt man das Problem nicht in den Griff.

Am liebsten hätte ich den Wettkampf abgesagt. Doch Hans meinte, versuchen könnte ich es doch, und wenn es nicht ginge, könnte ich ja kurzfristig aussteigen. Aber die Chance auf eine gute Platzierung wäre immerhin gegeben. Und wenn ich wenigstens einen dritten Platz erringen würde, bekäme ich eine Einladung von der Stadt zur Sportlerehrung im nächsten Jahr. Er selbst wurde schon viele Jahre für seine vielen sportlichen Erfolge geehrt. Und diese Chance wollte er auch mir zukommen lassen.

Denn alle Sportler, die für einen Verein aus unserer Stadt starten, die wenigstens einen ersten Platz bei Kreismeisterschaften (Medaille in Bronze), einen der ersten drei Plätze bei Hessischen (Medaille in Silber) oder Deutschen und Internationalen Meisterschaften (Medaille in Gold) erringen, werden im Rahmen einer Feierlichkeit vom Bürgermeister der Stadt geehrt. Das heißt, es gibt eine Urkunde und eine schöne Erinnerungsmedaille der Stadt.

Einen Kreismeistertitel hatte ich bisher noch nicht errungen, dafür war aber jetzt sogar die Chance auf eine Silbermedaille durch einen vorderen Platz bei den Hessenmeisterschaften gegeben. Das war zwar ein Ansporn, aber trotzdem fuhr ich mit wenig Optimismus nach Borken. Ich fühlte mich einfach schlecht.

Da ich außerdem selbst beim Autofahren den Ischias spürte und ich zu allem Überfluss auch noch mit meinem eigenen Wagen fuhr, kam ich in Borken schon mit Schmerzen an. Das konnte ja heiter werden.

Also mal sehen, wie viel Teilnehmer am Start sein würden. Ich hatte mich für den 100 und 200 Meterlauf angemeldet. Und da kam die Überraschung; wir waren in unserer Altersklasse jeweils nur drei Läufer. Das heißt, der dritte Platz war so schon gesichert. Aber ist das auch ein Erfolg? Meiner Meinung nach konnte das keiner sein. Trotzdem musste ich erst einmal ins Ziel kommen. Ich wusste ja nicht, ob ich die Läufe durchstehen würde.

Ich nehme es einmal vorweg. Beide Läufe habe ich durchgestanden, aber frage nicht nach der Zeit. Zunächst wurden die 100 Meter gestartet. Ich lief den beiden anderen natürlich hinterher. Selbst im Normalzustand hätte ich den ersten auf keinen Fall gefährden können. Der lief schließlich schon bei Deutschen Meisterschaften. Doch der Zweite war mein Bekannter aus Schlüchtern, von dem ich schon berichtete. Dem wollte ich schon gerne auf den Fersen bleiben, schließlich hatte er mich schon zwei Mal ganz knapp über die 60 Meter geschlagen. Doch an diesem Tag hatte ich gar keine Chance.

Vor dem 200-Meter-Lauf ließ ich mir von Hans noch einmal das belastete Bein strecken. Und tatsächlich stand ich diese Distanz besser durch, obwohl es nicht meine bevorzugte Strecke ist. Ich hatte zwar wieder keine Chance an die beiden vor mir laufenden heran zu kommen, aber mit dieser Zeit war ich wenigstens einigermaßen zufrieden. Schließlich war es nahe an meiner zweitbesten Zeit, die ich jemals gelaufen bin.

Hier möchte ich noch erwähnen, dass Hans sowohl über die 200 als auch über die 400 Meterstrecken jeweils unangefochten Hessenmeister wurde. Er hätte sogar bei unseren Läufen mitmachen können und wäre noch Zweiter geworden, trotzdem er zehn Jahr älter ist!

So hatte ich also zwei dritte Plätze bei den Hessischen Seniorenmeisterschaften errungen. Aber war ich stolz oder glücklich darüber? Zunächst ein eindeutiges NEIN! Ich war in schlechter Verfassung dritter geworden und das nur, weil nicht mehr Teilnehmer am Start waren.

Doch dann bekam langsam eine andere Erkenntnis die Oberhand und Hans unterstützte mich in meinen Überlegungen. Wenn sich aus Hessen nicht mehr Sportler in meiner Altersklasse dem Wettkampf stellen, warum sollte ich dann nicht stolz darauf sein, die Herausforderung angenommen und zu einem guten Ende geführt zu haben? Schließlich habe ich mich trotz Handicap überwunden und mein Bestes gegeben. Und schlechter ging es mir hinterher auch nicht. Damit konnte ich dann leben!

Eure Meinung hierzu würde mich aber schon interessieren. Ging es dem einen oder anderen vielleicht auch schon einmal so oder so ähnlich?

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