Erfahrungen eines Senioren, der noch einmal Sport treiben will.

Siegerehrung 4. Platz

Siegerehrung für den 4. Platz

Möglicherweise warten schon einige von meinen treuen Lesern auf meinen Bericht von den diesjährigen Hessischen Seniorenmeisterschaften, die an diesem Wochenende in Neu-Isenburg stattfanden. Hier ist er also. Denn die Läufer waren schon gestern, also Samstag am Start.

Wer die letzten Beiträge auf meinem Blog aufmerksam verfolgt hat weiß, dass die Vorbereitungen für diesen Event sehr gut, ich möchte sogar sagen, hervorragend verliefen. Das Trainingsprogramm war ambitioniert, aber ich fühlte mich gut dabei. Die Belastungen steckte ich ohne Probleme weg. Ich hatte keine muskulären Probleme, keine Ischiasschmerzen, die Ausdauer war vorhanden und die Beine waren schnell. Bis Woche 21 hatte ich darüber berichtet.

Und in der 22. KW., speziell am Samstag, ließ ich noch einmal Bestzeiten über alle Distanzen (100, 150, 200 und 300 Meter) folgen. Damit fühlte ich mich bestens gerüstet. In der letzten Woche vor dem Wettkampf, also letzte Woche, soll man ja bekannter weise sich nicht mehr verausgaben. Da heißt es, Kräfte schonen, was ich auch tat. Es stand nur noch lockeres Training auf dem Programm.

Aber! Komischerweise fühlte ich mich schon am Montag etwas ausgelaugt. Ist schon kein Problem, dachte ich. Habe ja noch eine ganze Woche Zeit. Und das vorherige Programm war ja auch nicht gerade einfach gewesen. Ich dachte mir, das passt schon alles!

Dann wurden in dieser Woche die Teilnehmer veröffentlicht. Fünf Läufer über 100 Meter und meine vier Mitstreiter waren gerade in die M60 Altersklasse aufgestiegen und hatten Zeiten angegeben, von denen ich nur träumen konnte. Über die 200 Meterdistanzen waren wir zu viert (nur einer von den 100-Meter-Läufern hatte für die 200 Meter nicht gemeldet), aber bei den Zeiten sah es genau so aus.

Hatte ich vorher noch von einer Platzierung unter den ersten drei geträumt, musste ich jetzt umdenken. Realistischer weise waren für mich also nur Platz fünf bzw. vier drin. Damit hatte ich mich abgefunden. Das war auch kein Problem. Man muss seine Leistungen einschätzen können und akzeptieren, wenn andere besser sind.

Meine neue Motivation lag jetzt darin, meine eigenen Bestzeiten zu unterbieten. Schließlich hatte ich ja ein tolles Trainingsprogramm absolviert! Aber dann kamen doch einige Faktoren zusammen, die ich möglicherweise unterschätzt hatte.

Um es erst einmal vorweg zu nehmen; fünfter Platz über 100 Meter und vierter Platz über 200 Meter waren Fakt. Das hatte mich auch nicht gewundert oder frustriert. Doch die Zeiten waren miserabel – so deutlich muss ich das sagen. Und ich war hinterher von mir enttäuscht, geknickt, mutlos und demotiviert. Der Abstand zu den anderen war einfach zu groß und von meinen Bestzeiten war ich weit entfernt.

Über 100 Meter wollte ich erstmals unter 15 Sekunden laufen; es wurden 15,71 – so schlecht wie lange nicht mehr. Bei den 200 Metern hatte ich mir eine Zeit von ca. 31 Sekunden ausgerechnet, es wurden 33,90 Sekunden – eine Katastrophe!

Wie konnte das sein? Woran hat es gelegen? Was war nur in dieser einen Woche passiert? Diese Fragen gingen mir durch den Kopf.

Hatte ich mich im Training möglicherweise doch zu früh zu sehr verausgabt, sodass die Form am Wettkampftag nicht mehr vorhanden war? Lag es evtl. auch ein bisschen am Wetter? Es war schließlich brütend heiß. Aber nein, normalerweise macht es mir nichts aus, bei Hitze zu laufen. Oder lag es mit daran, dass unser Start um eine Stunde nach hinten verschoben wurde? Nein, das ist auch kein Argument. Aber zum Aufwärmprogramm musste ich mich schon überwinden und es fiel mir nicht leicht. Plötzlich fühlte ich mich wie ausgebrannt.

War im Unterbewusstsein doch die Überlegung, keine Chance zu haben dominierend und hat mich blockiert? Mein Freund Thomas sagte schließlich sehr richtig: Es ist zu 50% eine Kopfsache.

Hatte ich wirklich schon vorher aufgegeben? Möglicherweise ja! Dann kam noch dazu, dass ich beim Start zu den 200 Metern einen Stich im Ischias bemerkte. Der hatte sich fast ein Jahr nicht mehr gemeldet. Warum jetzt? Da war schon ein bisschen im Hinterkopf der Gedanke, läufst du weiter oder doch lieber aufhören?

Heute bin ich der Meinung, ich hätte aussteigen sollen. Denn auf der Fahrt nach Hause wurden die Schmerzen immer stärker und am Abend konnte ich kaum noch gehen. Von der letzten Nacht ganz zu schweigen.

Nun habe ich meinen ersten Frust überwunden und meine Überlegungen gehen in eine ganz andere Richtung. Das hatte ich auch schon vor dem Wettkampf verschiedentlich geäußert. Sollte ich meine Ziele beim Sprint nicht realisieren können, werde ich auf die Langstrecken umsteigen. Hatte ich das eventuell auch schon ein wenig im Hinterkopf?!

Ich habe in den letzten Wochen gemerkt, dass meine Ausdauer viel besser geworden ist und das hilft natürlich auch ganz besonders für die Langstrecken. Bisher traute ich mich nicht so richtig heran, denn ich glaubte immer ich sei ein Sprinter! Aber wenn man seine Zeiten nicht mehr verbessern kann, auf einem gewissen Niveau verharrt, das auch noch unterdurchschnittlich ist, dann muss man auch hier Entscheidungen treffen.

Und meine Entscheidung habe ich heute getroffen. Der Wettkampf von gestern ist abgehakt; ich werde in Zukunft für die Langstrecken trainieren! Man muss schließlich realistisch sein. Große Entwicklungssprünge sind nicht mehr möglich, deshalb auf zu neuen Herausforderungen!

Ich glaube sogar, dass dieser Gedanke schon längere Zeit in mir schlummert. Es brauchte nur einen Auslöser wie gestern, um ihn in die Tat umzusetzen. Oder wollte ich es sogar? Ich weiß es wirklich nicht. Trotzdem kann es sein, dass ich noch an dem einen oder anderen Wettkampf teilnehmen werde. Mal sehen! Schließlich will ich ja auch noch das Deutsche Sportabzeichen machen. Das ist eine jährliche Pflicht!

Meinen Traum, einmal bei einer Europameisterschaft zu starten, werde ich deshalb aber auch nicht aufgeben. Vielleicht klappt es ja mit einer anderen Disziplin :-). Hier aber noch ein paar Impressionen vom gestrigen Tag.

Warten auf den ersten Lauf.

Warten auf den ersten Lauf.

 

 

 

 

 

 

 

Siegerehrung! Alle dürfen fürs Foto auf den Ersten Platz!

Siegerehrung! Fürs Foto dürfen alle aufs oberste Podest!

 

 

 

 

 

 

 

Diskussionen gibt es auch.

Diskussionen gibt es auch.

 

 

 

 

 

 

 

mit meinem Trainingspartner Hans, der über 400 Meter 2. wurde.

mit meinem Trainingspartner Hans, der über 400 Meter 2. wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

auch mein Sportsfreund Ewald aus Schlüchtern war dabei

auch mein Sportsfreund Ewald aus Schlüchtern war dabei

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Training in der nächsten Woche wird auf jeden Fall erst einmal ausfallen. Das hat aber andere, „schwerwiegendere“ Gründe: Unsere Tochter heiratet!

Kommentare zu: "37. „Frust oder Neubeginn?“ Hessische und Rheinhessische Seniorenmeisterschaften Juni 2015" (8)

  1. Also, ich habe etwas überlegt, bevor ich „gefällt mir“ angeklickt habe, aber ich denke das Ergebnis ist zwar nicht so dafür geeignet, aber die Analyse dafür umso mehr.
    Auch möchte ich deinen Freund Thomas etwas korrigieren. Nicht 50% sind Kopfsache, sondern 80% würde ich sagen. Das kann ich nur aus eigener Erfahrung mitgeben, denn sei es Tennis, das Laufen, Motorradfahren, Bike oder sonstwas, wenn der Kopf nicht passt, dann hast du schon verloren bevor es begonnen hat. Das zu diesem Thema, daher mach dir nix draus, es ergeht jedem einmal so! 😦

    Zu deiner Entscheidung auf die längeren Distanzen zu wechseln kann ich dir nur raten, denn Ausdauer ist etwas, das uns junggebliebene Senioren auszeichnet. 🙂 Das wird zwar kein Honiglecken für dich werden, bei Gott nicht, aber dein Schwiegersohn kann dir da ja zur Seite stehen. Wenn ich mich recht erinnere, so ist der ja auf längeren Distanzen unterwegs.

    Ich wünsch dir gute Regeneration, ein schnelles Verdauen der MS und einen guten Einstieg auf der Langdistanz!

    Ach ja, wie lange soll es denn werden?

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  2. Wenn der hervorragende 4. Platz auch noch Entscheidungshilfe war ist alles bestens.
    Eine wundervolle Hochzeit wünsche ich und grüße herzlich.

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  3. Danke Christian für deine ausführliche Analyse und das Mutmachen. Im nachhinein betrachtet glaube ich auch, es war viel Kopfsache.
    Ich werde mal mit 5000ern anfangen und dann langsam steigern. Mein Fernziel ist dann ein kleiner Triathlon.
    Ja, klingt sehr ambitioniert, aber man braucht ja Ziele. Und, ich freu mich drauf 🙂

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  4. Liebe Arabella, es waren die Zeiten, die meine Entscheidung beeinflusst haben. Und danke für die Hochzeitswünsche.
    Viele Grüße

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  5. liebhabertaschen schrieb:

    Die Hauptsache ist, du bleibst sportlich weiterhin aktiv. Erfolg ist subjektiv zu betrachten denn, hättest du vor vier Jahren geglaubt sportlich so weit zu kommen? Ich denke, nicht wirklich. Deshalb weitermachen mit Spaß, Freude und Engagement…. Und weiter bloggen!!!!
    LG W.

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  6. Danke mein Schatz, das werde ich auf jeden Fall – alles in dieser Reihenfolge! Du kennst mich ja. Neue sportliche Herausforderungen müssen eben sein, wenn die alten nichts mehr bringen. 🙂

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  7. claudiaostrop schrieb:

    Hallo Robert, habe heute von Ex-Nachbarin und Jetzt-Chefin Katja von Amandas Hochzeit gehört. Wünsche den Eltern der Braut alles Gute, und dem Brautpaar sowieso!
    Liebe Grüße aus dem Havelland, Claudia

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  8. Hallo Claudia, erst mal Danke für deine Glückwünsche! Haben bis jetzt den Polterabend für morgen vorbereitet.
    Dann war ich überrascht, dass Katja nun deine Chefin ist! Bist du jetzt auch in der Politik tätig? Gratuliere!
    Wie kommst du eigentlich auf meinen Blog? Hast dich gar nicht dazu geäußerst.
    Wir sollten uns mal per Mail schreiben oder telefonieren. Ich melde mich mal nach der Hochzeit. Bis dann und liebe Grüße
    Robert

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