Erfahrungen eines Senioren, der noch einmal Sport treiben will.

Das Jahr 1972

Im Jahr 1972

Es war einmal ein junger Mann, der auf einem kleinen Dorf in Hessen lebte. Eines Tages kam ein Freund auf ihn zu und sagte ihm, dass er an einem Volkslauf teilgenommen habe und zeigte ihm voller Stolz seine erworbene Medaille. Dieser junge Mann war natürlich ich und es war das Jahr 1972. Das Jahr der Olympischen Spiele in München.

Mein Freund wusste genau, dass mich das interessierte und ich ließ mich auch von seiner Euphorie anstecken. Ich wollte natürlich alles darüber wissen. Er erklärte mir, dass es sich um „Geher“-Wettbewerbe handeln würde und dass er mich zum nächsten gerne mitnehmen wolle. Und so geschah es dann auch.

Eine oder zwei Wochen später ging es los. Heute weiß ich aber nicht mehr, an welchem Ort dieser Lauf stattfand. Auf jeden Fall fuhren wir gemeinsam dort hin und meldeten uns an. Doch zunächst musste ich erst einmal über die Regeln informiert werden, also niemals den Bodenkontakt verlieren, sonst wird man disqualifiziert. Und die Läufe gingen über eine Distanz von 10 Kilometern.

Okay, gehen wir´s an. Lange Zeit gingen wir gemeinsam nebeneinander her. Doch irgendwann wurde er (ich nenne ihn mal Klaus) schneller und ich sah ihn nur noch von hinten. Aber ich ließ mich nicht beeinflussen, sondern ging konstant mein Tempo. Und ich schätze mal, es waren vielleicht noch ca. zwei oder auch nur ein Kilometer, da sah ich ihn wieder vor mir auftauchen.

Ich beschleunigte meinen Schritt, um zu versuchen, ihn wieder einzuholen. Tatsächlich gelang es mir und etwa 500 Meter vor dem Ziel ging ich an ihm vorbei. Ich glaube, das hatte ihm nicht so sehr gefallen. Denn leider ist er von da an nicht mehr mit mir gefahren.

Mich hatte es aber gepackt. Ich wollte mehr davon. Ich wollte mindestens 10 Läufe in diesem einen Jahr absolvieren. Denn dafür bekam man das Volkslaufabzeichen des DLV mit Goldkranz und eine Anstecknadel (damals hieß es noch Deutscher Leichtathletik Verband). Der Spaß konnte beginnen.

Zu den nächsten Veranstaltungen fuhr ich also alleine. Klaus hatte immer eine Ausrede. Ich ließ mich aber nicht davon abhalten. Ich erkundete mich, wo und wann die nächsten Wettbewerbe stattfinden würden und notierte mir die Termine. Dann setzte ich mich in meinen roten „VW Käfer 1300“ Baujahr 1970 und fuhr sonntags zu den Geher Wettbewerben. Und siehe da, ich kam auch ohne Navi überall an, eine Straßenkarte vom ADAC reichte völlig aus.

Damals wohnte ich noch zu Hause bei meinen Eltern in einem kleinen Dorf auf dem Lande. Leider fanden die Veranstaltungen doch sehr weit entfernt statt. In der näheren Umgebung wurde nichts dergleichen angeboten. Das hielt mich aber nicht davon ab; kein Weg war mir zu weit, um an einem Volkslauf teilzunehmen. Ich kann mich auch gar nicht daran erinnern, mir über Entfernungen Gedanken gemacht zu haben.

Nun habe ich mir heute einmal die Mühe gemacht, anhand von Google Maps die Entfernungen zu bestimmen und bin doch SEHR überrascht. Es ist kaum zu glauben, aber die nächstgelegene Veranstaltung fand in ca. 60 Kilometer Entfernung statt und die weiteste war ca. 170 Kilometer weit weg von meinem Heimatort. Und damals war das Straßennetz noch nicht so gut mit Autobahnen ausgebaut. Es ging überwiegend über Land- und Bundesstraßen.

Hier nun einmal die Aufstellung meiner Volksläufe, an denen ich teilgenommen habe. Wobei ich die Reihenfolge bewusst nach Entfernungen gewählt habe, weil ich die Reihenfolge der Teilnahmen nun wirklich nicht mehr weiß.

  1. Internationaler Volkslauf Hammelburg – 60 km
  1. Internationaler Büchertallauf Hanau-Mittelbuchen – 70 km
  1. Internationaler Spessart Volkslauf Goldbach bei Aschaffenburg – 80 km
  1. Internationaler Volkslauf Frankfurt-Schwanheim – 100 km
  1. Internationaler Volkslauf Flörsheim am Rhein – 110 km
  1. Internationaler Gersprenztal Volkslauf Wersau – 120 km

Internationaler Volkslauf Mainz – 130 km

  1. Internationaler Rheingau Volkslauf Winkel – 140 km
  1. Internationaler Volkslauf Marburg a.d. Lahn – 140 km
  1. Internationaler Volkslauf Neckargemünd – 170 km

 

Anhand der Ziffern (x. Int. VL) kann man erkennen, dass diese Volkslaufbewegung damals noch ziemlich in den Anfängen steckte.

Mit dem zehnten Volkslauf hatte ich also mein Soll erfüllt. Es gab für jede Teilnahme eine wirklich schöne Medaille und wenn man unter den ersten zehn Teilnehmern das Ziel erreichte, bekam man die Medaille auch noch mit Goldrand. Zwei Mal hatte ich es geschafft und zwar in Winkel und Mittelbuchen (heutiges Maintal).

Die elfte hier abgebildete Medaille bekam ich für die Teilnahme beim 1. Internationalen  Volksradfahren in Schlüchtern über 25 Kilometer. Damals war sogar ein Bild in der Zeitung.

Doch jetzt möchte ich euch nicht länger die Medaillen vorenthalten. Das Metall ist teilweise  in nicht mehr so schönem Zustand und auch ein bisschen zerkratzt. Aber es ist kein Rost. Jedoch sind die Prägungen noch sehr schön zu erkennen. Ich werde mir einmal die Mühe machen, um sie ein bisschen aufzuarbeiten. Eine davon, die vom VL in Winkel habe ich sogar bei  einer Medaillensammlung im Internet gefunden.

Durch Anklicken könnt ihr die Bilder vergrößern. Wenn ihr sie dann noch einmal anklickt, werden sie noch größer und man kann die Details sehr schön erkennen.

die komplette Sammlung

die komplette Sammlung

 

 

 

 

 

 

 

Hammelburg

Hammelburg

Mittelbuchen

Mittelbuchen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aschaffenburg

Aschaffenburg

Ffm-Schwanheim

Ffm-Schwanheim

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Flörsheim Vorderseite

Flörsheim Vorderseite

Flörsheim Rückseite

Flörsheim Rückseite

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gersprenztal Wersau

Gersprenztal Wersau

Mainz

Mainz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rheingau Winkel

Rheingau Winkel

Marburg

Marburg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neckargemünd

Neckargemünd

Volksradfahren Schlüchtern

Volksradfahren Schlüchtern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anstecknadel

Anstecknadel

Stoffabzeichen

Stoffabzeichen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentare zu: "38.16 – Es war einmal – im Jahr 1972" (9)

  1. Wanda Breitenbach schrieb:

    Mein Mann der Geher! Wer hätte das gedacht…. und ehrgeizig war er auch schon damals!
    Wie viele Erinnerungen in diesen Abzeichen stecken. Das ist wirklich etwas Besonderes!!!

    Gefällt 2 Personen

  2. Das waren wenigstens noch Medaillen mit schönen Details 🙂 Ich finde heute erinnert es sehr oft an Plastik o.ä… eben Massenware. Selten, dass da mal was wirklich besonderes dabei ist.

    Olympisches Gehen habe ich einmal im Fernsehen gesehen – ich glaube ich würde es nicht schaffen immer einen Fuß auf dem Boden zu halten.. Glückwunsch zu deinen Leistungen!

    1972 war ich noch nicht mal geboren – da bist du mir in puncto Wettkampferfahrung also doch etwas voraus 😉

    Gefällt 2 Personen

    • Vielen Dank für deinen netten Kommentar.

      Ich gebe dir völlig Recht; diese Medaillen hatten noch sehr viel Charme. Die Ausprägungen sind heute noch wunderschön. ich werde sie bei Gelegenheit einmal auf Hochglanz polieren.

      Leider habe ich danach aufgehört, an VL teilzunehmen. Heute bereue ich es. Es war eine schöne Zeit, aber immer alleine, war auch nicht sooo toll. Da kamen dann andere Interessen.

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  3. Wow, Robert!

    Was für ein ganz wunderbarer Beitrag von dir. Über einen wirklich interessanten Sport. Was da für Erinnerungen und Geschichten an der Wand hängen. Dazu sehen, wie Jamie schon anmerkte, die Medaillen wirklich ganz besonders aus. Eben wie eine echte Ehrung. Einfach schön! Danke, dass wir da einen Blick drauf werfen konnten.

    Gefällt 1 Person

    • Sehr gerne Din. Hat mir selbst Spaß gemacht, wieder einmal in Erinnerungen zu schwelgen 🙂 Schön, dass es dir gefallen hat!

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  4. Hallo, Robert! Wow, das ist ja beeindruckend! Herzliches Glückwünsch für alle diese Medaillen und weiter so! 😉 Du bist echt ein Vorbild für viele Menschen von was ich auf deinem Blog gelesen habe.
    LG
    Julia

    Gefällt 1 Person

  5. Mein erster Kommentar ging in die Hose weil ich mein Passwort nicht zur Hand hatte.

    Über Google bin ich auf deine Seite gestossen. Bin gerade dabei meine Medaillensammlung zu entsorgen. Nicht ohne diese noch vorher zu fotografieren. Beim Indentifizieren stllte ich fest, dass auch ich 1972 bei den VL in Flörsheim, Schwanheim (Wandern), Wersau und Mainz teilnahm. In Försheim habe ich sogar die 10 km in 34:01 Minuten gewonnen.
    In der M75 bin ich nicht mehr so schnell, versuche aber jeden Tag zu laufen. So sind bisher über 130.000 km im Training und bei Wettkämpfen (über 700) zusammen gekommen.
    Mal schaun ob ich später noch vorbeischaun kann. Du weißt ja, Rentner haben nicht so viel Zeit.
    MfG Lutz

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Lutz, vielen Dank für deinen Kommentar. Dass sich hier jemand meldet, der damals auch an diesen Veranstaltungen teilgenommen hat, ist schon unglaublich, daher um so schöner! Ich freue mich sehr.

      Wenn du schon länger meine Seite liest, dann weißt du ja, dass ich erst mit 60 wieder angefangen habe, Sport zu betreiben. Deshalb komme ich mit deinen Leistungen bei weitem nicht mit. Deine Trainingskilometer und auch die bei Wettkämpfen sind schon beachtlich. An welchen Wettkämpfen nimmst du denn teil? Vielleicht können wir uns einmal zu einem gemeinsamen Lauf treffen? Wo wohnst du?

      Würde mich freuen, wieder von dir zu hören!
      Viele Grüße Robert

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