Erfahrungen eines Senioren, der noch einmal Sport treiben will.

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Bevor ich eine Auszeit nehme, um den Sommer zu genießen, möchte ich mich mit einer Frage von euch verabschieden. Wer hat eigentlich die Formel erfunden, dass die maximale Herzfrequenz (HF max.) mit 220 Minus Lebensalter zu berechnen sei?

Schon seit langem stehe ich dieser Frage eher skeptisch gegenüber. Immer wenn ich mit Brustgurt gelaufen bin, stellte ich fest, dass ich da völlig außerhalb dieser Norm liege. Sind meine Werte nun normal, geht meine Uhr falsch oder bin ich nicht zum Laufen geeignet, weil meine HF so in die Höhe geht???

Denn in meinem Fall dürfte ich nach dieser Formel nur eine maximale HF von 154 haben. Doch wie kann das sein, wenn mir bei voller Belastung die Laufuhr eine HF von 176 anzeigt (gemessen mit Brustgurt wohl gemerkt, siehe Foto unten als Beweis.)

Dabei hatte ich die Uhr schon mit 160 max. HF programmiert. Meine normale HF im Ruhezustand  liegt bei ca. 60 Schlägen pro Minute. Bei normaler Belastung geht er schnell nach oben, auch deutlich über 100, aber ebenso schnell wieder in den Ruhebereich. Das heißt, die Erholungsphase ist bei mir relativ kurz. Und das erscheint mir doch sehr wichtig.

Nun kam mir das Heft von LAUFEN.DE (Ausgabe Juli/August 2017) gerade recht. Bereits auf Seite 10 stach mir der Artikel sofort ins Auge! Dort steht:

WESHALB ES BLÖDSINN IST, DIE MAXIMALE HERZFREQUENZ MIT DER FORMEL „220 MINUS LEBENSALTER“ ZU BERECHNEN.

Der Text stammt von Andreas Butz, Buchautor und selbst über 130-maliger Marathonläufer und der Trainer der Trainer (wie es dort heißt). Hier noch ein paar Auszüge aus seinem dortigen Beitrag:

„Wir Läufer übernehmen ja unkritisch viele Lauftreff-Weisheiten, selbst wenn diese längst widerlegt wurden. … Doch längst ist klar: Wer seine maximale HF ermitteln will, der muss nicht rechnen, der muss Vollgas geben können.

… Aus meiner Beobachtung von deutlich über tausend Leistungsdiagnostiken kann ich überzeugt behauten, dass die bekannte Faustformel  etwa bei jedem Fünften stimmt. Das bedeutet: Bei vier von fünf Läufern stimmt sie nicht! Zu mir kamen über 40-jährige mit einer von mir ermittelten maximalen HF von über 200 und 30-jährige, die 175 Schläge pro Minute nicht erreichten.

… Mein Lieblingsbeispiel ist das Geschwisterpaar Ruth und Birgit. Diese Zwillinge waren zu diesem Zeitpunkt 38 Jahre alt, hätten demnach auf eine maximale HF von 182 kommen müssen. Die Diagnostik der von allgemeiner Fitness, Lauferfahrung und Gewicht sehr ähnlichen Schwestern ergab aber, dass die eine eine HFmax von 201 hatte, die andere aber gerade mal 169 erreichte.

… Schlussfolgerung: Wer seine maximale Herzfrequenz kennen möchte, der sollte mal drei Minuten Vollgas einen Berg hochlaufen, ein 1000-Meter-Rennen bestreiten, … wenn dabei zum Schluss wirklich nichts mehr geht, zeigt die Pulsuhr die richtige maximale Herzfrequenz an.“

Jetzt bin ich für meinen Teil beruhigt, ich scheine, zumindest was meine maximale HF betrifft 🙂 normal zu sein. Mich würde aber trotzdem eure Meinung zu diesem Thema interessieren. Stimmt diese Formel bei euch? Oder habt ihr euch darüber noch gar keine Gedanken gemacht?

Trainingsbelastung

max. HF

Kommentare zu: "26.17 – Wer hat´s erfunden?" (9)

  1. Ich finde es gut, nicht alles geschriebene eng zu sehen. Du machst das richtig finde ich.
    Eine feine Sommerzeit wünsche ich dir und grüße herzlich.

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  2. Damit sprichst Du ein leidiges Thema an! Mein Ruhepuls liegt bei ca. 50 Schlägen, bei Belastung schnell über 100, aber ich erhole ebenfalls rasend schnell.
    Die Pulsuhr macht mich wahnsinng! Ich habe verschiedene Gurte schon gekoppelt, weil ich dachte, es wird nicht richtig gemessen, weil meine HF gerne dauerhaft zwischen 180 und 220 liegt, zumindest so angezeigt wird! Das ist ein gemütlicher Lauf ohne roten Kopp oder Schnappatmung. Im Gegenteil, ich unterhalte mich dabei sogar entspannt, ohne Atemnot zu bekommen. Müsste ich da nicht das Puckern auch langsam mal spüren können? Aber ich finde meinen Puls dann trotzdem kaum am Handgelenk. Mein Puls ist hinterher auch gleich wieder ganz unten.

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  3. Schöne Sommerzeit wünsche ich Dir!

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  4. Ich halte von diesen „Faustregeln“ hinsichtlich der körperlichen Faktoren beim Sport grundsätzlich nur wenig, denn die Körper sind in dieser Hinsicht einfach extrem unterschiedlich. Bei mir geht trotz täglichen Trainings der Puls beim Laufen regelmäßig auf 170-180 bpm hoch. Wenn ich 110 Minuten laufe, bleibt der Puls spätestens nach 65 oder 70 Minuten wie auf einem Plateau in dieser Gegend. Das würde zwar rein rechnerisch noch ungefähr hinhauen, doch hin und wieder lande ich auch bei 190 bpm. Im Gegensatz dazu geht mein Ruhepuls nicht selten auf 45 oder weniger bpm hinunter (beim Schlafen hatte ich vor zwei oder drei Wochen mal eine Messung mit 39). Total verrückt.

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  5. Diese Formel kann hinkommen, aber meiner Meinung nach geht das dann eher Richtung Zufall. Es ging ganz unterschiedliche Menschen. Einige haben einen sehr mistigen Puls. Andere einen hohen. Hinzu kommt der Trainingszustand… wenn man es genau wissen möchte, dann muss man einen entsprechenden medizinischen Test machen. Ansonsten bin ich auch eher für einen Lauftest,…

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  6. Vergiss die Formel, die passt meistens nie. Ein Lauftest liefert bessere Werte, ist aber körperlich sehr belastend.

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  7. juergensoutschek schrieb:

    Die Formel stammt aus den 70er Jahren, wo sie von Fox und Haskell in einem Cardiologischen Artikel vorgeschlagen wurde. Grundlage waren allerdings Daten von Personen, die nicht über 65 Jahre alt waren. In der Zwischenzeit gilt die Formel als überholt, da sie die maximale Herzfrequenz unterschätzt und damit wohl viele abbrechen läßt, bevor ein geeigneter Herz-Kreislauf-Stress im Training erfolgt.Aktuell wird anhand umfassenderer Untersuchungen eher zu folgender Formel geraten max Herzfrequenz = 208 – (0,7 x Alter) bei gesunden Personen.

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    • Vielen Dank für die Aufklärung. Habe ich tatsächlich nicht gewusst, mir aber auch nicht die Mühe gemacht, es einmal zu googeln.

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